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14 (Multi- und transkulturelle) Identitätskonstruktion

Die Frage, was heute in der multikulturellen Migrationsgeslelschaft "Identität" bedeutet, wird sowohl politisch als auch pädagogisch diskutiert. Neben der "monokulturellen" gibt es heute bekanntlich "bikulturelle", "multikulturelle" und "transkulturelle" Identitäten (siehe dazu auif der Seite "Migrationshintergrund" ganz unten!). Während man früher die Identitätsvielfalt oft beklagt und als ein Defizit aufgefasst hat, sieht man heute Identitätsvielfalt als etwas positives und zugleich "normales". Diese positive Wende hängt mit der Auffassung zusammen, dass Identitäten "konstruiert" und damit den gesellschaftlichen Begebenheiten angepasst werden. Ersichtlich ist die Schule und damit auch der Musikunterricht ein Ort, in dem diese Identitätskonstrktion nicht urwüchsig sondern pädagogisch beeinflusst stattfindet.

Wenn sich die IME das Ziel setzt, mittels Musik und musikalischer Tätigkeitbei der Konstruktion vielfältiger Identitäten behilflich zu sein, so hat dies auch Auswirkungen auf die Inhalte und Methoden des Unterrichts. Das Postulat der "Vielfalt" - seit 2005 von der UNESCO in die Welt gesetzt -, bestimmt dann nicht nur die Inhalte des Unterrichts sondern auch die pädagogische Stoßrichtung: der Sinn des vielfäktigen Unterrichts ist eine Stärkung und Differenzierung einer vielfältigen Identität. Da "vielfältige Identität" auch eine "auseinandrefallende" Identität, also im Grunde eine misslungene Identitätskonstruktion bedeuten kann, spricht Dorothee Barth beispielsweise von einer "ausbalancierten" Identität, um eine erstrebenswerte Aret von Vielfalt anzudeuten (Barth 2012, S. 86). Sie schlägt dann als Unterrichtsinhalte wneiger "Musik der Welt" vor, sondern "unterrichtliche Inszenierungen" und Projekte(ebenda S. 87-91). Die Folge ist, dass es eigentlich keine schulbuchartigen Materailien mehr geben kann, sondern nur organisatorische Qualifikationen der Lehrer/innen. Neben dem Erstellen eines "Klassensongs" (zum Zwecke eines Aushandelns einer vielfältige-ausbalancierten Klassen-Identität) oder dem Gedankenspiel des "Inselsongs" ("was würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?") wird vor allem auch "Popmusik mitm Migrationshintergrund (Modell 10) und "Feldforschung" (Modell 13: Erkundung der musikalischen Vielfalt des Nahraums) vorgeschlagen.

Literatur: Dorothee Barth (2012) in: Aspekte Interkultureller Musikpädagogik. Ein Studienbuch, hg. von Anne Niessen und Andreas Lehmann-Wermser. Augsburg: Wißner-Verlag, S. 73-92. Sowie in der Neuen Musikzeitung 7+8/2017, S. 23 unter dem Titel "In mehreren musikalischen Kulturen zuhause sein".