Die Methode: Vom einfachen zum erweiterten Schnittstellenansatz

Der einfache Schnittstellenansatz

Gründe für eine Modifikation:

Der erweiterte Schnittstellenansatz

1 Zuerst erfolgt die wissenschaftlich qualifizierte Auseinandersetzung mit den Musikkulturen der Welt, mit ihrem musikalischen Material, mit ihrem Gebrauch von Klangfarbe und Lautstärke, mit ihren Vorstellungen von und Gedanken über Musik, mit ihrem Musikleben. Die wissenschaftlichen Vorarbeiten sollten mehr didaktisch- methodisch motiviert sein. 1 Das anstehende, wissenschaftlich erarbeitete Material wird didaktisch zubereitet: im Hinblick auf Basiserfahrungen (Schritt 2), spielbaren Elementarszenen (Schritt 3) und Elemente für eine szenische Interpretation (Schritt4).
2 Die Suche nach musikalischen "Schnittstellen ", nach tatsächlichen Gemeinsamkeiten ist der naheliegende Schritt.  Schnittstelle ist musikalisches Material, das von deutschen und ausländischen Kindern und Jugendlichen so musiziert werden kann, daß die jeweiligen spezifischen Merkmale der Musikkultur erhalten und respektiert bleiben.Interkulturelle -Musikerziehung beginnt mit Musikmachen, nicht mit Musikhören. Die Schnittstelle sollte"tiefer" liegen als auf einer kulturell bereits vorgeformten Ebene. 2 Die erste Schnittstelle sind musikalische Basiserfahrungen (siehe eine welt musik lehre). Dies sind archetypische, transkulturelle Übungen, die zum kulturellen Inhalt des Folgenden hinführen.
3 Das gemeinsame Musikmachen mit Kindern aus verschiedenen Ländern geht über in die Reflexion, geht über in den interkulturellen Vergleich. Vergleichsthemen sind zunächst Musikinstrumente und Liedertexte Es sollte keine Trennung von Praxiserlebnissen (die Spaß machen) und theoretischer Aufarbeitung zu Lernerfahrungen (die demotivieren) geben! 3 Szenisches Spiel: der kulturspezifisch geprägte Hintergrund (Merkt 4) wird zusammen mit dem Basismaterial (Schritt 1) in szenischem Spiel zusammengeführt. Diese Phase ist die KERNPHASE der IME nach dem erweiterten Schnittstellenansatz.
4 Musikmachen und Singen ist Gesprächsanlaß. Thematisiert werden Liedinhalte, thematisiert wird Bedeutung und Gebrauch von Liedern und Musikinstrumenten, thematisiert wird das Musikleben im öffentlichen und privaten Bereich, thematisiert werden Märchen und Mythen, die von Musik erzählen. Der "Gesprächsanlass" ist das, was wir mit Erlebnis bezeichnen, die "Thematisierung" ist die Verarbeitung von Erlebnissen zu Lern-Erfahrungen. Beides zusammen bildet die "szenische Interpretation". 4 Szenische Interpretation: mit den "hinterfragenden" Methoden der szenischen Interpretation wird der "interkulturelle Vergleich" (Merkt 3) durchgeführt. Hierzu sind spezifische methodische Fähigkeiten der LehrerIn notwenig! (Siehe Methodenkatalog der szenischen Interpretation!)
5 Der musikpraktischen Annäherung an unterschiedliche Musikkulturen folgt die Annäherung durch das Hören. Der Weg geht hier vom Bekannteren zum Unbekannteren. Das bislang archetypische und vom Gestus her ("analog") erfasste musikalische Material soll nun kulturell "verfeinert" und ("digital") weiter entwickelt werden. 5 Musikalische Vertiefung: durch Einstudierungen (Lieder, Musikstücke, Tänze) oder/und Hören bzw. Ansehen originaler Situationen und Musikstücke wird musikalisch vertiefend gearbeitet - kulturspezifischer Stimmausdruck ("Singhaltung"), Besonderheiten des Tonmaterials, Liedeinstudierung, Tanzschritte bzw. Choreografie. "Vom Bekannten zum Unbekannten".
6 Veröffentlichung: Präsentation der Ergebnisse der Arbeit im Rahmen von schulischer und nach Möglichkeit außerschulischer Öffentlichkeit. Aus der szenischen Interpretation ergibt sich durch "Professionalisierung" die Art der Vorführung. 6 Szenische Aufführung: Alle erarbeiteten musikalischen Spiel-Bausteien werden zu einem Stück zusammengefügt, das "öffentlich" vorgeführt werden kann.
Zitate aus Irmgard Merkt 1993. Achtung! Man kann nicht alles und immerzu szenisch interpretieren. Die hier aufgezeigte Methode kann aber ein idealtypischer Leitfaden für jede Art praktisch-theoretischer Beschäftigung mit Musik sein. Zusammenstellung aus diversen Aufsätzen von Wolfgang Martin Stroh 2001, 2002 und 2003.

Ausführliche Darstellung von Stroh (2009) - "Rezension" von Jens Knigge (2013)

Beispiel: Ein Workshop-Konzept nach dem erweiterten Schnittstellenansatz.