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10 Migrantenmusikkultur als Bezugspunkt

Aus zwei Richtungen kommt heute die Forderung, nicht die „traditionelle" außereuropäische Musikkultur, sondern die aktuelle „Migrantenmusikkultur" zum Bezugspunkt der interkulturellen Musikerziehung zu machen: zum einen vom projekt- und schüleroientierten Unterricht, zum andern von der Theorie der „multikulturellen" Pädagogik (vgl. Modell 11). So wurden bereits Mitte der 80er Jahre Projekte (im Ruhrgebiet und in Berlin) durchgeführt und dokumentiert, die eine multikulturelle „Stadtteilarbeit" beinhalteten: Adamek 1993 („Kulturkooperative Ruhr": windrose). Berlin 1991 („Schlesische 27", ein EG-Modellversuch). Breckhoff 1982. Oft gingen UNESCO-Schulen, wie die in Rhauderfehn, ebenfalls in diese Richtung. Besonders spektakulär wurde der Berliner "Karneval der Kulturen", an dem inzwischen mehrere hundert Musik-, Tanz- und Folkoregruppen, die in Berlin wirken und leben, teilnehmen. Irmgard Merkts mehrsprachige Liederbücher (Schellen/Merkt 1995, Adamek 1989) nehmen in der Regel nur Lieder auf, die von Ausländerkindern tatsächlich gesungen werden und die Ergebnisse von „Feldforschung" sind.Theoretisch wird heute von Böhle (Böhle 1995 und Böhle 1993) ein „dynamischer Kulturbegriff" gefordert, dessen Bezugspunkt das multikulturelle Musikleben einer Stadt oder der BRD ist (vgl. Modell 13: Feldforschung). Die traditionelle außereuropäische Musikkultur spielt dabei nur indirekt eine Rolle, insofern sie hier im multikulturellen Musikleben von Bedeutung ist. Im Literaturverzeichnis stehen unter "Musik mit Migrantiosnhintergrund" zahlreiche Bücher und Aufsätze, die Ergebnisse von "Feldforschung" in der "Parallelgesellschaft" darstellen. Hingewiesen sei auf die Multikulti-Welle "Funkhaus Europa", das Internetradio www.multicult.fm" und den neuen Markt von deutsch-türkischer Musik (vgl. Modell 10a Hip-Hop). Näheres sieheauch unter "ein welt musik lehre". Aufgabenstellung:

  • >Zusammenhang von „multikultureller Pädagogik", „dynamischem Kulturbegriff" und der Forderung, die Migrantenmusikkultur untersuchen!
  • Literatur über „Migrantenkultur" recherchieren auf musikspezifische Aussagen hin untersuchen.
  • Materialien zur interkulturellen Musikerziehung danach untersuchen, inwieweit hier das Problem der Migrantenkultur berücksichtigt wird. (So wird z.B. bisweilen diskutiert, daß die Kinder einer Schulklasse gar nichts mehr von ihrer traditionellen Musikkultur wissen wollen.)
  • Inwiefern können ethnologische Themen (Musik im gesamten kulturellen Zusammenhang einer Ethnie) im Musikunterricht für multikulturelles Denken sensibilsieren?

HINWEIS: "Hip-Hop" made in Germany ist die vielleicht bekannteste Migranten-Muskkultur. Hierzu ein eigener Abschnitt! Siehe auch Barth 2010 ("Popmusik mit Migrationshintergrund").