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13 Musikethnologische Feldforschung als Unterrichtsmethode

Die Beziehung zwischen (professioneller) Musikethnologie bzw. Ethnomusikologie und interkultureller Musikpädagogik wird immer wieder diskutiert, verstärkt in den Jahren seit 2005. Während in den 1970er Jahren professionelle Musikethnologen über "außereuropäische Musik" in Zeitschriften wie "Musik & Bildung" publiziert haben. gibt es im 21. Jahrhundert neue Akzente. Die geringe Akzeptanz der frühen Publikationen rührt daher, dass hier implizit unterstellt wurde, aus einer reinen Sachanalyse (also einem Ergebnisprodukt musikethnologischer Forschung) könne musikpädagogisches Handeln abgeleitet werden. Es zeigt(e) sich aber, dass die interkulturelle Musikerziehung vor allem didaktischen Rat benötigt, und den konnte die Musikethnologie nicht geben.

Heute wird die Aufgabe der Musikethnologie nicht allein darin gesehen, der Musikpädagogik gemäß Punkt 1 des Forderungskatalogs von Irmgard Merkt der interkulturellen Musikerziehung korrekte "Daten" zu liefern. Es wird auch die Idee formuliert, dass die Methodik des interkulturellen Unterrichts von der Methodik der Musikethnologie lernen, ja Methoden wie beispielsweise die Feldforschung sogar eins zu eins in den Unterricht implementieren werden könnte. Martin Greve (Musikethnologe) und Dorothee Barth (Musiklehrerin) haben 2007 über ein Projekt berichtet, bei dem Schüler/innen musikethnologische Feldforschung in Hamburg betrieben haben. (Siehe auch Modell "Migrantenkulturen"!) 2011 ist diese Idee von Barbara Alge ("Von der Feldforschung ins Klassenzimmer") theoretisch begründet und ausformuliert worden.

Heuteist es nicht mal mehr der (deutsche) Feldforscher, der mittels Kamera und Mikrofon eine bestimmte Musikkultur vor Ort erforscht. Die Betroffenen stellen sich ja mittelrweile selbst dar: das gilt sowohl für die entlegensten Winkel der Welt als auch für die geheimsten Szenen innerhalb Deutschlands. Gerade in laienhaften, schnell gemachten Videos lässt sich musikalisches Handeln "authentisch" verfolgen und es ist nur noch ein kleiner Schritt, dass Schüler/innen via Facebook und Twitter auch mit Personen aus einer zunächst unbekannten Musikkultur interagieren. 2014 plant Wolfgang Martin Stroh ein einschlägiges Forschungsprojekt. Wolfgang Martin Stroh hat mit interaktiven DVD's ein praktikables Tool entwickelt, mit dem Schüler/innen Feldforschung via Internet/Youtube betreiben könnten. Zunächst werden in Quizform verschiedenen Musiken präsentiert, deren Hintergrund über einen Link (in der Regel zu Youtube) zu erreichen ist. Die Lehrkraft kann die vorhandenen Musikbeispiele gegen Beispiele eigener Wahl austauschen und entsprechend auch die digitalen Kommunikationskanäle neu definieren. Info hierzu!

Literatur: Barbara Alge und Oliver Krämer: Beyond Borders: Welt - Musik - Pädagogik. Wißner-Verlag, Augsburg 2013.