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5 Musikpraxismodelle aus aller Welt

Wenn das Singen und Tanzen von Liedern aus aller Welt vor allem bei kleinen Kindern angesagt ist, warum nicht das Nachspielen instrumentaler Musik mit der Klasse in höheren Altersstufen?Bei vielen Musikethnologen und auch bei Helms 1974 heißt es, daß das naive Nachspielen außereuropäischer Musik mehr Mißverständnisse als Verständnis produziere, sofern dies nicht sogar eine Form naiven Kulturimperialismus sei. Andererseits: Wie sollte man wirklich neue musikalische Erfahrungen machen, wenn man nicht auch selbst ansatzweise musikalisch tätig wird...? - Die politische Diskussion um dies Problem wird heute überwiegend entlang der „New Age"- und „workshop"-Szene geführt. Vorsichtig sollte man von Musikpraxismodellen sprechen, wenn LehrerInnen afrikanisch trommeln, eine Samba mit SchülerInnen nachspielen, Gamelan auf dem Orffinstrumentarium schlagen oder arabische Gesänge zwölftemperiert singen. Weitere Probleme interkultureller Musikerziehung durch „Musikpraxismodelle aus aller Welt" sind mit denjenigen bei „Lieder und Tänze aus aller Welt" identisch: „Folklorismus"-Vorwurf etc. Auffallend ist auch, daß sich die Musikpraxoismodelle meist auf die „traditionelle" Musik eines Landes und nicht die „aktuelle" (Pop-)Musik beziehen. (Ausnahme bei Schütz 1992.)Interessante Ansätze: Lüderwaldt 1990 (auch Newiger 1989): Gamelanmusik. Wegner 1990: afrikanische Xylophonmusik. Schütz 1992 und Koch 1993: afrikanisches Trommeln. Adamek 1989: türkische Lieder mit Instrumentalbegleitung. „Applaus", Band 3: Von Salsa zu Samba. Korte 1993: türkische Musik.   Weitere Unterrichtsmaterialien, die immer wieder als allzu „musikpädagogisch" kritisiert wurden, gibt Wolfgang Jehn und der eres-Verlag heraus, unter anderem: Peter Schiffers: Dédang Sayang. Folklore aus Indonesien. Klaus Buhé: Indianerflöte. Rupprecht Weerth: Winay Marka.Auf Lehrerfortbildungsveranstaltungen erfreuen sich handhabbare "Praxismodelle", anhand derer Musik aus Afrika, Asien, Australien und Lateinamerika musikpädagogisiert wird, großer Nachfrage. Der Bundeskongress des AfS (Arbeitskreis für Schulmusik) dokumentiert seinen Kongress in der Reihe "Musikunterricht heute" (beim Lugert-Verlag). Fragestellungen:

  • Welchen interkulturellen Ansatz haben die musikpraktischen Unterrichtsvorschläge?
  • Wie werden die vorgelegten Materialien diesem Ansatz gerecht?
  • Wie wird das Problem des „Kulturmißverständnisses" diskutiert bzw. wie wird „Mißverständnissen" vorgebeugt?
  • Welche Erfahrungen mit dem jeweiligen Ansatz werden berichtet?
  • Wie steht es mit dem „Folklorismus"- oder Exotismus-Vorwurf?
  • Gibt es Äußerungen von authentischen MusikerInnen (Indonesiern, Afrikaniern etc.) zu diesem Problem?