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4 Irmgard Merkts „Schnittstellen"-Ansatz

Die bekannteste und einflußreichste interkulturelle Musikpädagogin in der BRD ist Irmgard Merkt (die als Initiatorin oder Begleiterin hinter vielen Projekten im Ruhrgebiet steht). Irmgard Merkt ist der Meinung, daß die auch in der Musikpädagogik ursprünglich praktizierte „Ausländerpädagogik" durch ihren „Schnittstellen"-Ansatz zur „interkulturellen Musikerziehung" weiterentwickelt worden sei. Das Besondere Ihres Ansatzes ist, daß die Musikpraxis Ausgangspunkt interkulturellen Musikunterrichts ist und daß diese Praxis dem Theorem des Kulturunversalismus (als sog. „Schnittstelle") folgend gefunden werden kann. „Schnittstellen" sind jene musikpraktischen Erfahrungen, die von Kinder unterschiedlicher Kulturen verstanden werden. Die deutschen Kinder sollen also in der „ausländischen Musik" gerade nicht das Fremde, sondern das Eigene erfahren.Der Ansatz ist am deutlichsten dargestellt in Merkt 1993 (in Böhle 1993 und Musik+Unterricht). Der "Schnittstellenansatz" bleibt allerdings oft auf der Ebene der Gemeinsamkeiten stecken und führt nicht zur Erfahrtung von Differenz. Eine methodisch integrierte Lösung des Problems haben Lozano/Stroh 2001 angegeben. Fragestellungen:

  • Wie sieht die heutige interkulturelle Konzeption von Merkt aus und wie hat sie sich aus der Ausländerpädagogik (NB: Merkt kommt bezeichnenderweise von der Sonderpädagogik und ist Professorin für Musik in der Sonderpädagogik!) heraus entwickelt?
  • Welche grundsätzlichen Probleme bietet der Schnittstellen-Ansatz?
  • Welche paktischen Probleme gibt es bei diesem Ansatz (Weiterentwicklung der Musikpraxis zur Reflexion - „vom bloßen Erlebnis zur Erfahrung")?
  • Wird der interkulturelle Ansatz Merkts den Forderungen der antirassistischen oder transkulturellen Didaktik bereits gerecht bzw. kann er in diese Richtung weiterentwickelt werden?